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Naturnomadin in Macau

Wo liegt denn Macau? Macau ist die asiatische Casinostadt rund eine Katamaranfahrstunde von Hong Kong entfernt. 

Bevor ich mich via das wuestenheisse Abu Dhabi auf den Weg hierher machte, habe ich mir ueberfuellte, von den Casinolichern reizueberflutende Schluchten einer Wolkenkratzerstadt vorgesstellt. 

Da koennte man sich fragen – warum zur Hoelle fliegt die Naturnomadin in solch eine Stadt? 

Nun… die Liebe liegt halt auch in der Natur des Menschen. Und wenn die Liebe sich in Macau befindet, zieht es die Naturnomadin auch einmal in eine naturarme Grossstadt. 

Nun, da ich seit knapp einer Woche in dieser chinesischen Stadt bin, habe ich doch viel mehr Natur entdeckt, als ich mir zu traeumen gewagt haette. 

Interessant finde ich, wie die Menschen hier die Natur und den Sport in der Natur zu schaetzen wissen. Jeden fruehen Abend, wenn die tropischen Temperaturen ein wenig angenehmer werden, suchen Menschen jeglichen Alters die oeffentlichen kleineren und groesseren Paerke und Gaerten auf. Dort nutzen sie die zur Verfuegung gestellten Gymanlagen, die Barfusswege, joggen, machen TaiChi oder klopfen sich am Koerper ab, was eine Form der Akupressur ist, wie ich erfahren habe. 

Macau ist fuer eine asiatische Stadt klein – es leben gerade mal 600’000 Menschen hier. Die Wolkenkratzeransammlung ist vor allem beruehmt fuer seine Casinos – es soll Las Vegas an gespieltem Umsatz schon uebertroffen haben. 

Wer in Macau jedoch etwas anderes sucht als Casinos, muss ein wenig mehr Zeit und Geduld mitbringen. Dafuer sind die Erlebnisse und Eindruecke meist gewinnbringender als verspieltes Geld. 

Der Charme des Mixes zwischen portugiesicher Kolonialarchitektur, chinesischen, heruntergekommenen Hochhaeusern und supermodernen Wolkenkratzern ist einzigartig. 

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Kulturschock im eigenen Heimatland

Wiedereinleben in meinem Heimatland… Nach einem überstürzten (oder auch lange vorbereiteten) Abschied…

Bevor ich zurück in die Schweiz kam, habe ich mich auf Freunde, Familie, die Wälder, das Essen und die Anonymität gefreut.

Auf dem Rückflug aus Mosambik hat mich der erste Blick aus dem Fenster hoch über Johannesburg geschockt. Die rechtwinklig angelegten Strassenzüge, Autokolonnen auf Autobahnen, überhaupt die vielen Autos. Wieso nur ist dies alles so eingespurt und begrenzt hier unten? Das ist die Zivilisation? Während meiner Zeit im Norden Mosambiks hatte ich dies alles schon fast vergessen. Nur Stunden vor Johannesburg habe ich auf ein komplett anderes Land hinuntergeblickt.

Mit einem schmerzhaften Ziehen im Herzen habe ich hoch über der Stadt Lichinga und danach über Nampula versucht Abschied zu nehmen von der unendlichen Natur und den mit Wellblech gedeckten, ebenerdigen kleinen Lehm- und Steinhäusern, welche wild zusammengewürfelt eine Stadt bilden. Die roten staubigen Bänder, welche sich kreuz und quer als Strassen durch die Städte und Dörfer und die grüne Natur ziehen, sowie die gesamte leere Meeresküste Mosambiks zog vor meinen Augen vorbei, während die mir liebgewordenen Menschen in Nkholongue, Metangula und Lichinga vor meinem inneren Auge umhergeisterten. Es tut weh, wenn man geliebte Menschen auf dem Weg zu sich selber verlassen muss.

Abschied nehmen und gleichzeitig sich auf das Langersehnte freuen… Eine innere Zerreissprobe, welche auch nach etlichen Übungen nicht weniger herausfordernd wird.

Auf dem Flug von Johannesburg nach Zürich brach ich dann zusammen. Meine Psyche und mein Körper sagten wohl ganz klar und unmissverständlich „Stopp, nun ist es genug“. Nach den vielen Monaten Arbeit und zu wenig Zeit für mich selber, nach den letzten physisch und psychisch anstrengenden Tagen auf der Lodge, mit Organisation und Abschieden, nach einer bis dahin schon langen Reise, auf welcher ich mich nicht mehr richtig gespürt habe und dementsprechend meine Grundbedürfnisse des Essens und Trinkens nicht befriedigt habe und nach unzähligen Nächten fast ohne Schlaf, sagte alles in mir mitten in der Nacht auf dem Flug von Johannesburg nach Zürich Stopp.

Bis nach Zürich erholte ich mich halbwegs und wurde dort von einer guten Freundin und meinen beiden Schwestern empfangen und in den Arm genommen. Inmitten der mich überfordernden Sinneseindrücke des schweizerischen, mir fremdgewordenen und doch vertrauten Flughafens, war dies der beste Empfang, den ich mir wünschen konnte.

Der Kulturschock in meinem eigenen Heimatland hat jedoch begonnen. Vieles kann ich immer noch nicht fassen und einordnen. Als ich das erste Mal wieder alleine Bus, Zug und Tram fuhr, erschrak ich. In Mosambik habe ich mir mehr Anonymität gewünscht, in der Schweiz hat mich deren Intensität aber dann geschockt. Vor lauter Anonymität im öffentlichen Verkehr gibt es praktisch keinen Augenkontakt mehr. Alle achten tunlichst darauf, nur ja niemanden zu stören und gefühlte 90% aller Fahrenden beschäftigen sich mit ihrem Smartphone. Wo bleibt da das Menschliche inmitten all dieser Menschen?

Ich habe mich auf die Nahrungsmittelvielfalt in der Schweiz gefreut. Das erste Mal in einem Coop-Supermarkt hat mich umgehauen. Ich kannte es doch, bin schliesslich hier aufgewachsen. Aber wer braucht denn zum Kuckuck an die 50 verschiedene Käsesorten, 20 verschiedene Kaffeesorten, im Februar Erdbeeren (das hat mich schon immer gestört) oder 5 unterschiedliche Spaghettimarken? Wer braucht schon wieder ein neues Kissen, ein Aktionspack Socken, das 10. Duschgel, das xte Parfum? Die Aktionen verleiten die Menschen zum Kaufen. Zum Haben-Wollen. Zum Konsumieren.

Dieser Materialkonsum hat mich nach meiner Zeit in Mosambik noch mehr umgehauen als sonst. Praktisch niemand braucht einen Bruchteil all des Materials, das in den Einkaufskörben und -wägen landet. Aber mann oder frau will sich etwas guttun, dieses und jenes haben, mit dem Konsum irgendeine Leere zu füllen versuchen. Denn, was soll mann oder frau auch sonst mit all dem Geld tun? Die Zeit, Energie oder auch Bewusstheit, es in achtsam genutzte Zeit zum Leben und sich selbst und seine Mitmenschen zu lieben, fehlt scheinbar.

Ein weiterer Kulturschock war die Geschwindigkeit des Internets. Meine Schwester, die etwas am Laptop im Internet anschaute, beklagte sich lautstark, wie langsam die Internetseiten wieder einmal seien. Ich stand auf und schaute ihr über die Schulter einige Minuten zu. Nach kurzer Zeit und etlichen neugeladenen Seiten konnte ich meine riesige Erstauntheit über ihre Reklamationen nicht mehr zurückhalten. Für meine Verhältnisse war das Internet so schnell wie noch nie! Zu meiner Anfangszeit in Mosambik habe ich mich beklagt, wie langsam das Satelliteninternet dort war (es war zeitweise unmöglich auch nur ein Wort zu googlen) und jetzt konnte ich es fast nicht glauben, wie blitzschnell das Internet in der Schweiz ist!

Wenn ich Durst hatte, schaute ich mich noch Wochen nach meiner Rückkehr nach einer Flasche Wasser um. Immer wieder ertappte ich mich beim Gedanken daran, dass ich doch hier das Wasser auch direkt vom Wasserhahn trinken konnte! Diese, für Schweizer normale Selbstverständlichkeit ist mir nach 5 Monaten Mosambik komplett abhanden gekommen.

Wenn ich einmal mit dem Auto unterwegs bin, fühlt es sich immer noch falsch an, auf der rechten Strassenseite zu fahren. Da ich in der Schweiz nie ein Auto besass, bin ich zusammengezählt 8 Monate meines Lebens auf der linken Strassenseite (Australien, Neuseeland und Mosambik) gefahren, während ich auf der rechten Seite vielleicht gerade mal 2 Monate am Stück gefahren bin. Der Linksverkehr liegt mir einfach mehr im Blut.

Seit meiner Jugend gehe ich jede Pfingsten nach Winterthur. Afrika, auch die unterschiedlichen Kulturen von Afrika, hat mich immer schon angezogen. Die Afropfingsten, mit den von Afrika inspirierten Waren, Nahrungsmitteln und der Musik, waren immer etwas Spezielles für mich. Dieses Jahr ging ich wieder. Ich hatte gerade Heimweh nach Mosambik und meinen geliebten Menschen dort am See. So suchte ich in Winterthur auf dem Afrika-Markt danach. Meine Enttäuschung war riesig. Nichts, aber auch gar nichts Verbindendes gab es zwischen diesem Anlass und meinen Erlebnissen und meinen Erkenntnissen in Mosambik. Ausser vielleicht die Hautfarbe vieler Standbesitzer und Marktbesucher, welche mir so vertraut war. Afropfingsten ist für mich abgehakt. An Afropfingsten kann ich mein erlebtes Mosambik nicht finden.

Es gibt noch viele andere Aspekte und Themen, welche ich nach meiner Zeit in Mosambik nun anders sehe und verstehe und für mich einordne. Ich habe jedoch gelernt, dass das Verstehen und vor allem das Mitteilen Zeit braucht. Der Schock vom Ankommen im eigenen Heimatland ist für mich mittlerweile vorbei. Das Wiedereinleben jedoch ist immer noch, auch nach fast 4 Monaten, präsent und Thema bei mir.

Dawnwalk

„Standing on a crossroad,
feeling the freedom
to start walking,
knowing with certainty,
that the next crossroad will show up…
I am free to walk my way of life.“

„In the stingy cold air
over the springwarm street
are dancing dampelves
seen in the carlights.“

„Snowballs on black trees
are lightening up the path,
when I pace in the dawn
over snowflakes washed down
by the springrain.“

Richtungsänderung

Einen Entscheid treffen…
Dies kann ich lange überlegt tun… Ich kann die Vorteile und Nachteile in die Waagschale legen… Ich kann versuchen herauszufinden, welche Richtung meines möglichen Entscheides möglichst viele Beteiligte glücklich macht… Ich kann dies monatelang…jahrelang…ein Leben lang tun…
Ich kann mich für eine Richtung entscheiden und dann diese Entscheidung durchziehen…Ich kann mich für eine andere Richtung entscheiden und den Entschluss immer wieder ändern…
Einen Entscheid treffen…Kann so funktionieren, dass ich lange Zeit mit anderen Menschen und mir selbst darüber spreche…
Einen Entscheid treffen…Kann auch impulsiv und intuitiv geschehen…Kann aus einem Vertrauen in die eigene Intuition und den Fluss des Lebens geschehen.

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Ich habe den Entscheid getroffen, dass ich meine Zeit in Moçambik und vor allem in der Lodge abbrechen muss.
Es gibt viele unterschiedliche Gründe für diesen Entscheid. Der wichtigste jedoch ist, dass ich versucht habe, glücklich zu sein in diesem System, es jedoch nicht geschafft habe.
So habe ich den Entscheid gefasst, erst einmal zurück in die Schweiz zu reisen, um wieder auf einen grünen Zweig auf dem Weg zum glücklich sein zu kommen, um meine Freunde und Familie wieder zu sehen.

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Jede Vorfreude hat auch eine dunklere Seite, der Abschied.
Ich musste meine neuen Freunde und vor allem einen ganz wichtigen Menschen zurücklassen. Dieser Mensch wurde innert kürzester Zeit zum wichtigsten Menschen meines Lebens. Mein Herz ist daher zweigeteilt… Ich habe meinen Seelenverwandten in Metangula gelassen, mit offenem Ausgang, wann und wo wir uns wieder sehen.

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Nun, nach 2 Monaten zurück in der Schweiz, habe ich die vielen Spaziergänge durch die Wälder und Felder, die vielen Wiedersehen und wunderschönen Stunden mit all meinen Freunden und Familienmitgliedern grenzenlos genossen. Ich habe mich meinem Körper gewidmet, eine Operation hinter mir und musste mich schweren Herzens entscheiden, mich für eine Zeit lang wieder in der Schweiz niederzulassen.

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Denn jede Reise kostet Geld und da mein Aufenthalt in Moçambique anders verlaufen ist als geplant, reichen auch die Geldvorräte nicht wie geplant.
Ich stecke also mitten in der Arbeitssuche in der Schweiz und kämpfe mit meiner Sehnsucht nach der Ferne und nach einem Menschen, der fest in meinem Herzen verankert ist.
Wer weiss, wie es weiter geht? Das einzige, was ich machen kann, ist zu vertrauen. Zu vertrauen in den Fluss des Lebens und dass alles irgenwie so kommt, wie es kommen muss.

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Update zu meinem Leben in Nkholongue

„Wenn einem die Arbeit gefällt, kann Frau immer arbeiten – 24h, 7 Tage die Woche, monatelang.“

Dies ist eine Feststellung, die ich verneinen muss. Nein, ich kann nicht immer arbeiten.
Auch wenn mir die Arbeit hier als Managerin der Gästelodge, mit Unterhaltung der gesamten Infrastruktur, mit diversen kleinen Projekten mit und für die Leute aus dem Dorf, mit Renovationen der Häuser und Dächer und vielem mehr sehr gefällt – es ist doch Arbeit.
Ich habe hier in Nkholongue nun gelernt, dass mir meine gewählte Arbeit noch so sehr gefallen kann, ich brauche trotzdem Pausen, Ruhe, Abstand. Dies für mich selbst zu akzeptieren, anzuerkennen und die Konsequenzen daraus zu ziehen ist für mich nicht einfach, vor allem vor dem Hintergrund, dass in diesem Dorf 100te Menschen leben, welche praktisch gar kein Geld verdienen und jede Arbeit machen würden, wenn sie denn könnten.

„Ich will und kann alles lernen, was mit meinem Job hier zu tun hat.“

Dieser Vorsatz beinhaltete für mich alles. Bevor ich hierherkam, wusste ich grob, was mich alles erwarten würde, was alles meine Aufgaben sein werden. Ich wusste, dass die Lodge ein Elektrizitätssystem basierend auf Solarpanels und Benzingenerator hat, ein Wassersystem, welches mit einer Benzin- und einer Elektropumpe das Wasser aus dem See in zwei grosse Tanks pumpt, aus welchen das Leitungssystem über die ganze Lodge verteilt wird. Ich wusste, dass ich die Gelegenheit bekommen würde zu lernen, am Auto Räder zu wechseln. Ja, das ist etwas Spezielles, wenn man kein eigenes Auto hat und dementsprechend nie einen Reifen wechseln muss…
Vieles Technisches mehr habe ich schon gelernt und werde ich noch lernen. Von all diesen Dingen werde ich mein ganzes Leben profitieren.
Nun gibt es aber auch gewisse grosse technische Probleme, welche sich bei einer solchen Anlage ergeben, welche ich auch nach Kopf- und Handstand und weiss ich was für welchen gymnastischen Verrenkungen meines Gehirns anscheinend einfach nicht verstehe und dementsprechend absolut hilfs- und ahnungslos vor einem Problem stehe, welches aber doch meist recht schnell gelöst werden müsste…
Diese Situationen sind schwierig. Solche Situationen auszuhalten und zu managen gehört zu meinem Job hier dazu. Meine Erkenntnis hierzu, welche ich offen hier teile, ist, dass es diese Situationen sind, die unendlich viel Energie von mir fordern. Sie zehren. Sie geben meiner festgefahrenen, vom westlichen Leistungsdenken geprägten Festplatte im Gehirn den Eindruck, dass ich versage, dass ich das doch wissen und kennen und gefälligst jetzt sofort eine Lösung bereit haben müsste. Aber dadurch geht die Welt nicht unter.

„Ich bin ein Mensch, der lange Zeit nicht aufgibt.“

Denn es könnte ja heissen, ich hätte versagt.
Hier muss ich endlich (ist auch langsam Zeit) lernen, dass ich nicht alles kann und können muss. Diese technischen Probleme kann ich nun mal nicht lösen. Das einzige, was ich tun kann, ist, eine potentielle Lösung zu organisieren.
Das psychische dahinter, was ich für mich selbst lernen kann, ist, „Sei nicht so hart zu dir selbst.“

„Ich will die Natur in diesem Land, dieser Umgebung kennenlernen, entdecken, wie die Menschen hier mit der Natur leben.“

Dies war mein Ziel für meinen Aufbruch aus der Schweiz. Dazu kann ich vorerst nur sagen, dass ich auch nach vier Monaten hier noch nicht viel aus der Umgebung kenne. Dass ich jetzt langsam beginne, die Leute näher kennen zu lernen. Und dass ich jetzt langsam beginne dafür zu kämpfen, dass ich Zeit habe, die Umgebung kennen zu lernen. Dazu muss ich bewusst eine Grenze ziehen, mir und den Leuten sagen, dass ich jetzt nicht mehr arbeite, sondern mich zurückziehe oder mich auf den Weg mache, die Natur zu durchkämmen.

„Du wirst weit und breit die einzige weisse Person sein.“

Ja, das ist so. Wobei ich es mittlerweile so empfinde, dass die Hautfarbe für mich nicht wirklich einen Unterschied macht. Ich selbst stecke ja auch in der anderen, der fremden, weissen Haut und habe sie nicht vor Augen, wenn ich durch die Gegend oder die Stadt laufe.
Für die Leute, die mich nicht kennen, bin ich jedoch ganz offensichtlich immer nur „die Fremde“ – „Azungu“. Ich steche mit meiner hellen Haut einfach raus. Das bin ich für die kleinen Kinder, für die Frauen, bis hin zu den tausenden von Männern von jung bis alt, die ihre Augen nicht von meinen nackten weissen Unterschenkeln losreissen können… Ich bin und bleibe eine Magnettafel, welche die Augen wie magnetisch anzieht, wenn ich mich von Mbunabay entferne…
Je nach dem, wie es mir geht, ist das einfach so und macht mir überhaupt nichts aus. Doch es kann auch sehr lästig sein. Anonymität ist ein Fremdwort. Sowohl in einer Stadt wie Lichinga, wo ich eigentlich nur Einkäufe mache, wie auch im Dorf Nkholongue, wo ich zur weissen, jungen Frau dazu auch noch immer die Chefin, welche durchs Dorf geht, sein werde.

Dies alles und noch viele Lernblätze und Eindrücke mehr führten zum Entscheid, dass ich irgendwann während dem europäischen Sommer für kürzere oder längere Zeit wieder in die Schweiz kommen werde. Für wie lange und wie es dann weiter geht, ist und bleibt noch offen.
Aber ich vermisse schon zu lange und zu sehr einige, für mich essentielle Dinge. Dinge und Situationen und Lebenswerte, welche ich erst hier als für mich essentiell erkannt habe.

Stundenlang durch Wälder und Felder zu wandern, ohne mit Menschen zu reden – und mein Kopf leert sich ganz automatisch, neue Erkenntnisse entstehen…
Technische Infrastruktur, welche funktioniert. Wenn sie nicht funktioniert, ist genug Wissen in der nahen Umgebung vorhanden, um das Problem erfolgreich zu lösen…
Anonymität – sich unerkannt bewegen – auch wenn die andere Seite der Medaille, die Bekanntheit, auch seinen Reiz hat…
Die Natur – ich lebe hier sicher vor allem in der Natur – doch in der Schweiz habe ich sie häufig doch bewusster wahrgenommen…
Vertraute Menschen, Freunde, Familie vermisse ich viel mehr, als ich je gedacht hätte…
Meiner Haut gefällt das Klima in der Schweiz tausendmal mehr. Ich bin definitiv ein Vier-Jahreszeiten-Mensch und nicht ein Mensch der in den Tropen leben kann…
Den Luxus an Nahrungsmittelauswahl zu haben ist schon fast eine Zumutung im Anblick an die Ernährungszustände hier. Und doch vermise ich es unglaublich und ist ein wichtiger Punkt, der mir zeigt, was ich an meiner Heimat habe…

Ich könnte die Liste weiterführen… Doch dieser Artikel soll ein Update zu meiner Situation und meinem Leben hier sein… Und ein wenig Einblick geben…
Wie und wann und wo es weitergeht wird hier zu gegebener Zeit bekannt gegeben…

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Christmas – in Moçambique Día de familia

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In Moçambique ist Weihnachten keine staatliche Feiertagsangelegenheit – dazu ist das Land zu stark muslimisch geprägt. Doch der 25. Dezember ist trotzdem ein Feiertag – der Familientag.
Ich konnte diesen Tag natürlich nicht mit meiner richtigen Familie verbringen, doch mit guten Freunden, einer beeindruckeden Naturlandschaft, vielen interessanten Tieren (z.b. Skorpione, die sich zwischen Sand und Feuerholz verstecken) und mit dieser Stimmung war der Familientag – 25. Dezember – Weihnachtstag – unvergleichlich, unvergesslich, wunderschön!

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Die kleinen Fischer (Kinder aus dem Dorf) als Erweiterung der Steine in der Abendstimmung.

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Die fast schon kitschige Abendstimmung begleitete uns beim Schlangenbrot rösten über dem Feuer und unserem Weihnachtspicknick im Sand, am Lago Niassa.

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Fotomix des Novembers

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Mein Essensort – das Restaurant

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Warten an der Strassenecke auf das Eintreffen der ‚Chapa‘, einem Sammeltaxi, mit zwei Gästen für uns, welche ich abhole …

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Die Ziegen aus dem Dorf, welche regelmässig unsere Pflanzen im Garten fressen – nun werden sie von uns eingefangen und gegen eine kleine Busse dem Besitzer wieder zurückgegeben – das Kind muss sich die Finger verbrennen, man kann ihm noch so lange sagen, dass die Herdplatte heiss ist – es glaubt es erst, wenns richtig weh tut …

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Die Fischadler, welche in der Gegend nisten, lassen von sich hören und sehen bei ihren Flugstunden …

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Rückkehr nach einer von vielen Fahrten in die 2-stündig entfernte Stadt – es erwartet mich goldenes Licht über Nkholongue (dem Dorf), Mbunabay und dem Lago Niassa

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Das gezielte Abbrennen von Wald- und Naturflächen gehört zum Alltag hier in der Trockenzeit …

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Das ist mal eine Früchteernte … Was ist wohl was?

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Papaya – Paw Paw

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Abendstimmung über den Gartenbeetdächern

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Bananenblätter und Kokospalmwedel im Sonnenuntergangslicht

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Mein Lieblingsort im Garten – mit Blick auf den Chifuli, den Berg oberhalb von Metangula (dem nächstgrösseren Städtchen) und den See – tausende Vögel über meinem Kopf schwirrend, bevor sie sich im letzten Abendlicht zur Nachtruhe ins Schilf begeben …

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Der November war für mich voll von neuen, erfüllenden, frohen, schwierigen, bedrückenden, lustigen, besinnlichen, lehrreichen, überfordernden, eindrücklichen, erstauenenden, herausforndernden und wunderschönen Momenten, Zeitfenstern, Gesprächen, Zwischenmenschlichen Stimmungen und vielem, unbeschreiblichem Mehr …

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Alltagstag

Ich erwache um 4.30 Uhr, nachdem meine innere Uhr sich gemeldet hat. Ein paar Mal um mich selber drehen, den erwachenden Geräuschen aus der Natur, dem See und dem Dorf zuhören, …
Dann melden sich die ersten Aufgaben meines heutigen Tages: aufstehen, Batteriewerte der Solaranlage ablesen gehen. Oh, da muss ich wohl später, wenn die vier Londoner Gäste wach sind, den Generator zu Hilfe bitten, damit die Lodge heute genug Strom hat. Die Batterien haben zu wenig Ladung…
Mich waschen, anziehen, Katzen füttern.

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Auf meiner Veranda, wo die Katzen fressen, stehen bleiben, auf den See schauen und die heutige Morgenstimmung aufnehmen…
Es ist kurz nach halb 6, mein erster Gang in die Küche und ins Kitchen Office steht an. Ich treffe den Küchenchef an, wie er ruhig Früchte für das Gästefrühstück schnippelt. Good morning, how are you today? Auch mit dem diensthabenden Housekeeping werden fröhliche Morgenbegrüssungsrituale ausgetauscht – wobei es schon zum ersten grossen Lachen kommt… Eine lustige Wortzusammensetzung von einer Angestellten, eine Mischung aus zwei Worten, mit denen man fragen kann, wie es dem Gegenüber heute geht – Wortkreationen sind Alltag hier, wo alle eine Sprache mit mir sprechen, welche nicht die Muttersprache ist.
Nachdem die Arbeit mit den Gärtnern und dem restlichen Personal für heute verteilt wurde, der Generator läuft, die Gäste sowie auch ich gefrühstückt haben, die letzte Rechnung von den Gästen beglichen wurde, geht es los. Ich fahre unsere Gäste die etwas mehr als 2 Stunden zum Flughafen in Lichinga. Während der Fahrt kann ich entspannt dem Londoner Dialekt zuhören, zwei Mal bremse ich scharf ab, damit wir gemeinsam die Monkeys auf und neben Strasse beobachten können.
Nach der Verabschiedung am Flughafen, überlege ich mir die effizienteste Route durch die verschiedenen Läden, Amtsstellen und dem Markt in der Stadt Lichinga. Ich ziehe meinen Plan mehr oder weniger durch, kann einmal sogar fast alles vor der Mittagszeit abschliessen. Das Putzmittel vom einen Laden, das Gemüse vom Markt, die Klebebänder aus der Papeterie habe ich. Auch unterschiedliche Gegenstände für die Mangofabrik sowie das morgen anstehende Fixieren des Wasserpumpenrohrs am Seeboden habe ich.
Entspannt fahre ich durch die mir inzwischen vetraute Stadt zur Paderia Maria, wo ich den ihnen vertraute Toast com Queso bestelle. Doch ich bin in Mozambique, wenns keine schwarzen Oliven, kein Maizena, kein Vanille, keinen schwarzen Pfeffer und kein WIFI gibt, dann ist das halt so. Dafür geht das Internetkabel doch in den Laptop, ein anderer Kunde im Internetlokal sagt, wie glücklich der junge Angestellte ist, weil er mir so nahe kommen darf, der schönen jungen Weissen, ich bezahle am Ende die 5 Meticais (12 Rappen) pro heruntergeladenes MB und mache mich nach zweieinhalb Stunden, in denen ich dem Laptop zugeschaut habe, wie er die frisch installierte Dropbox (mein elektronisches Arbeitsinstrument in der Lodge) herunterlädt, auf den Weg.
Zuerst noch den Tank voll machen, bevor es begleitet von meinem Sound aus dem Handy zweieinhalb Stunden lang via Lichinga-Plateau und dem See entlang wieder nach Hause geht. Schon bei Beginn der Rückfahrt weiss ich, dass die Zeit nicht reichen wird, vor der Dunkelheit anzukommen. Dies macht mir ein wenig Sorgen, da man hier im Dunkeln nicht mehr fahren sollte und ich es sowieso nicht sollte, da ich dann nicht mehr gut sehe. Doch es reicht schlussendlich ganz knapp. Und ich werde von einer wunderschönen Abendstimmung begleitet.

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Warten im Triangulo

Ich fahre nach Metangula, die naechst groessere Ortschaft in der Region, um zwei Gaeste abzuholen. Sie kommen spaeter als angekuendigt. Daher gehe ich ins Triangulo – eine kleine Beiz, wie man in der Schweiz sagen wuerde und trinke eine Cola. Es ist frueher Nachmittag, die Sonne knallt auf die Erde und Menschen. Die Beiz liegt als Dreieck eingeklemmt zwischen den rotstaubigen Hauptstrassen von Metangula. Auf der einen Seite liegt der quirlige Markt, auf einer anderen wird die rotstaubige Strasse gerade in eine Betonbsetzisteinstrasse verwandelt, auf der dritten fuehrt sie immer schmaler werdend durch den Ort den Berg hinauf…

Ich sitze unter einem Sonnenschirm, die Sonne glitzert durch mehrere Loecher in meine Augen. Das Plastiktischtuch ist von der jahrelangen Sonnenstrapazierung ganz verbleicht. Das kuehle Cola stroemt in meinen ausgetrockneten Gaumen. Ich lehne mich zurueck und warte.

Rettung vor der Sonne – Rettung vor der Trockenheit – Musikrhythmen alle 10 Sekunden sich aendernd – Henkel einer Tasche hinter dem Gelaender tanzend – zwei Augen zwischen den Latten hindurchspaehend – Motorrad ohne Motor hinter meinem Ruecken die Strasse runterholpernd – kurzgeschorener Kopf balanciert ein aufgerolltes Tuch um ich herumtaenzelnd – ganze Familie auf einem Motorrad hinter mir durchtuckernd – Drahtesel nur mit dem noetigsten am Esel vorbeiflitzend – Teenager in blauer Schuluniform eine uralte Spielkonsole startend – Spielkonsoltoene wirkt magnetisch auf eine handvoll Kinder – woher kommen sie? – Strassenbaumaenner mit gelben Helmen auf den Koepfen auf der frisch verlegten Pflastersteinstrasse die Schultern zur Musik schuettelnd – Papayas in der Ferne hoch oben auf Sonnenwaerme wartend – Drahtesel von vorhin transportiert zwei grosse Saecke Kohle vorbei – Kinder, Teenager, Erwachsene wartend …

Warten darauf, dass das Leben vorbei zieht …