Zwitschernde, pfeifende, uiuiui-nde, u-u-u-uende Toene…
Blasender leichter Wind, durch die Ritzen und die Mueckengitter ziehend….
Rhythmische leichte Schlaege, aus dem Dorf herueberschallende freudige leise Gesaenge…
Goldenes Licht durch meine Augenlider kriechend…
Ganz leises, kaum wahrnehmbares Rauschen des Sees…

All dies teilt mir mit – Du bist in Mbunabay – Du bist in Afrika – Der Morgen beginnt, die Sonne geht auf!
Es ist mein dritter Tag in Afrika, Mosambik.

An meinem ersten Tag komme ich in der Hauptstadt, Maputo, am fruehen Nachmittag an. Nachdem ich waehrend der Ansage im Flugzeug nach der Landung ueberlegt habe, ob dies nun eine Ansage auf portugiesisch oder aethiopisch war (Ich sass in einem Flugzeug der aethiopischen Airline), bin ich ein wenig erleichtert, dass mir Maya, meine zukuenftige Chefin beim Ausfuellen der Papiere zur Einreise ueber den Korpus der ‚VisumStempler‘ hinweg hilft… Die Erleichterung, als der Stempel auf das Papier saust, ist groesser, als ich je angenommen haette.
Eine herzliche Begruessung von Maya, welche auch gerade erst angekommen ist, folgt. Noch einmal durch die Sicherheitskontrollen, dann treten wir aus dem Gebaude.
Nach kurzen Vergleichen der Preise entscheidet Maya sich fuer ein Taxi und wir werden zu unserer Pension fuer eine Nacht gefahren. Ich kann meine Augen nicht loesen von der durchziehenden Umgebung.
Viele niedrige Hauser, welche oft aussehen wie Baracken, viel Dreck und Abfall auf den Strassen, extrem viele Baustellen im Zentrum der Stadt, fuer mich ungewohnter Verkehrsfluss, Menschen die zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs sind und schnell von der Strasse wegspringen oder warten, bis es endlich einmal eine Luecke gibt zwischen den Autos und Chapas (Sammeltaxis). Und dann die groesseren Gebaude der Regierung und der Botschaften. Hohe Gebaude mit Wohnungen. Neue Gebaude im Bau, mit Wohn- und Arbeitsflaechen zu verkaufen. Mosambiks Hauptstadt wirkt auf mich, als wolle sie sich unbedingt entwickeln, groesser und moderner werden, aber noch nicht richtig weiss, ob es klappen wird. Der Tourismus ist eingebrochen, ich sehe keinerlei Touristen in den Strassen oder in unserer Pension. Auch die Sicherheitslage koennte besser sein, alle wissen nicht so recht, wie es weitergehen koennte – die Renamo wird wieder staerker vor allem im Norden des Landes…
Am naechsten Morgen geht es vor sechs Uhr los, um das Flugzeug nach Lichinga im Norden zu erwischen.
Der Flug ist angenehm und unterhaltsam, die Unterbrechung mit Auftanken in Nampula fuer mich interessant, da ich ein bisschen von der Landschaft um diese Stadt sehen kann, mit den Inselbergen, welche als unterschiedliche, gerundete oder spitzige Formationen aus der Ebene stechen.
Die Ankunft in Lichinga – eine staubige Stadt auf 1400 m.ue.m. welche, wie Maya meint, viel vernachlaessigter aussieht, als vor einiger Zeit. Von allen Seiten, von Ladenbesitzern, von Buchhaltern, von Maya vernehme ich, dass die Wirtschaftslage nicht gut ist, es fast keine Touristen hat, und auch das Thema, dass Japaner einen Grossteil des Landes, welches an den Lago Niassa grenzt, kaufen will oder schon gekauft hat, wird angesprochen. Der Grund hierfuer: Kohle. Die Meinungen gehen auseinander. Fuer den Tourismus, v.a. den naturnahen Tourismus, waere es eine Katastrophe, wenn diese riesigen Landstriche in naher Zukunft umgegraben werden, nach Kohle durchsucht und so komplett zerstoert wuerde. Fuer die Wirtschaft der Provinz andererseits gaebe es einen Aufschwung.
Nach Einkaufen in zwei Laeden geht es auf den Markt. Mein erstes Mal – auf einem afrikanischen Markt. Kaum fahren wir mit dem Auto hin und steigen aus, kommen Jugendliche und Kinder angesprungen. Maya spricht mit ihnen, erklaert mir, dass einige ihre Freunde sind und ihr immer auf dem Markt helfen – beim Einkaufen, beim Auto bewachen, beim Tragen und Einpacken. Mich umringt eine Schar Jungs um die 10 Jahre, sie reden auf mich ein, fragen, fordern, lachen, bestauenen und beobachten – Ich verstehe fast nichts, was sie sagen, bin in der ersten Minute ueberfordert, weiss nicht, wie ich reagieren soll, was unhoeflich ist, was angebracht ist, … Ich sage Nao, obrigada – Nein, danke – und bleibe nahe bei Maya. Sie hat schon mit zwei Jungen ausgemacht, wer den Wagen bewacht, wer ihr hilft zu tragen… In der Markthalle liegen ausgebreitet auf erhoehten Flaechen die Waren der Marktfrauen. Maya besorgt ihre Dinge, fragt nach dem Preis, verhandelt, beurteilt nach der Qualitaet – und ich haenge mich vorerst einfach an sie. Nach ein paar Minuten fuehle ich mich nicht mehr unwohl, ich beginne das Gewusel der Kinder ein wenig zu durchschauen und auch die Art des Einkaufens auf diesem Markt.
Den Rest des Mittags und Nachmittags verbringen wir in der Stadt, um verschiedene Dinge zu erledigen, wie auch das Suchen einer Person, welche unseren Ersatzpneu flicken kann. Ohne Ersatzpneu fahren wir nicht aus der Stadt, denn es kommt immer wieder vor, dass man ihn auch wirklich braucht.
Dies wird mir spaeter dann auch klar, als wir auf unbefestigten Strassen, durch Schlagloecher und ueber grosse Steine fahren. Zuvor habe ich einen ersten Eindruck bekommen, wie die Menschen in ihren Doerfern auf dem Bergplateau wohnen, waehrend ich ihre Doerfer beim Vorbeifahren sehen konnte. Immer wieder Ziegen und Huehner auf oder neben der Strasse, Kohlensaecke und andere Gegenstaende und Nahrungsmittel, welche am Strassenrand zum Verkauf angeboten werden. Und viele Menschen auf dem Heimweg, der Strasse entlanglaufend, ein Fahrrad, schwer beladen, den Berg hochschiebend, die Mottorraeder an uns vorbeisausend oder den Berg hochtuckernd. Die erste Schlange, vor uns, sich ueber die Strasse windend.
Die Ankunft im Dorf und in der Lodge. Wir fahren durchs Dorf, begruessen im vorbeikommen Frauen und Kinder, einige Kinder rennen uns hinterher, bis wir in der Lodge ankommen. Die drei Angestellten Andrew, Rabecca, und Sugushua begruessen uns unglaublich freudig. Fuer Maya ist es ein Nachhausekommen, fuer mich ein Neuankommen.
Moeglichst schnell die Batterien der Solaranlagen in Betrieb nehmen, den Strom anstellen, alles schon in der Daemmerung und in der Dunkelheit, dann ein Abendessen von Sugushua gekocht und noch einige Gespraeche und Klaerungen vor dem ersten ganzen Tag in der Lodge. Nach einer Dusche und dem Auspacken, schluepfe ich unenendlich muede ins grosse weisse Bett und schlafe bis zum naechsten Morgen wie ein Stein.

One thought on “Mosambik

  1. Das tönt ganz so als wärst du wohl angekommen in deiner neuen Umgebung – danke für die schön beschriebenen ersten Eindrücke.
    Wünschen dir ein gutes Einleben in der Lodge und Umgebung!
    L&M

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